jeder tag fühlt sich an wie der vorherige und morgen wird sich anfühlen wie heute. seit tagen, oder wochen, ist es nach dem aufwachen kalt, obwohl in deutschland temperaturen über 40 grad herrschen. es ist nicht mein zimmer, das kalt ist. jeden tag passieren unvorstellbare dinge und mein gehirn gräbt sich zu, versucht, alles zu verdrängen. eine wut staut sich auf und ist kurz vor dem ausbruch. mein herz ist schwer, aber fühlt sich auch so leer an, wie nie zuvor. es ist auswegslos.

sie erzählte mir, es lohne sich nicht, traurig zu sein. sie streichelte mir den kopf, nahm mich in den arm und gab mir sicherheit. sie war der eine und einzige ort, an dem ich immer ein kind sein sollte. sie unterstützte mich in allem, was ich tun wollte, sogar dann, wenn ich falsch lag. sie besuchte mich auf der arbeit, machte sich gedanken darüber, ob ich schon gegessen hatte. sie wollte mich nur glücklich sehen, oder wollte sie das? wollte sie mich wirklich in sicherheit wissen und wollte sie mir wirklich unterstützen? war sie traurig mit mir oder tat sie nur so, damit ich es glaubte?

das weiß ich alles nicht mehr.

was ich weiß ist, dass ich sie glücklich sehen wollte. ich arbeite hart und versuche meine vorstellungen zu verwirklichen in einem leben, in dem sogar das träumen einem schwer gemacht wird. denn sie konnte nicht viel tun: in meinem alter war sie schon verheiratet und hatte ein kind.

ich erledige alles, was ich für sie übernehmen kann und unternehme dinge mit ihr, sei es auch nur ein einkauf oder ein spaziergang. dabei genieße ich jeden moment. für mich war sie immer ein vorbild und ich habe mir immer gewünscht, sie könnte ihrem teufelskreis, ihrer persönlichen hölle, endlich entfliehen. ihr leben lang wurde sie belogen und betrogen, immer wurde sie schlecht behandelt von ihm. für ihn ist sie eine reinigungskraft, eine nichtswissende und ihre meinung interessiert ihn nicht; das hat sie noch nie.

er war immer ein narzisst, er hat keinen respekt. und das hat sie immer gehasst. sie hat früh angefangen, ihren kindern zu erzählen, welche dinge er schon verbrochen hat und wie schmierig er ist. auch seinen kindern gegenüber war er nie sonderlich freundlich. er hat uns immer seine liebe ausgesprochen, aber immer hat er lieber kommentare bei facebook verfasst, statt ein echtes gespräch zu führen. und wenn es dann doch zu einem austausch kam, war alles ein wettbewerb. immer musste er recht behalten und immer musste er schreien. der entschluss war, gemeinsam auszuziehen und jetzt hätten wir genau das tun können.

aber sie hat sich für ihn entschieden.

es ist interessant zu sehen, wie man sein ganzes leben lang von der liebe eines menschen überzeugt sein kann, bis man sieht, dass er einen nicht einmal in schutz nehmen kann. wie soll ich nicht für immer verletzt davon sein, dass sie nur ihm gefallen wollte? dass sie absichtlich all die jahre geblieben ist, statt uns zu retten? wie soll ich nicht hassen? denn hass ist gift und ich möchte unvergiftet sterben. hilft es, sich zu distanzieren? hilft es, nie wieder zu sprechen? ich weiß nur eins: alles kann wieder gut werden. ich vertraue al-aziz und egal, wie tief die dunkelheit in mir ist und egal, wie sehr ich manche dinge nicht verstehe, das leben ist geplant. alles geschieht so, wie es geschehen muss. vielleicht ist das, was jetzt passiert eine warnung?

ich bin verwirrt; das bin ich oft. aber zurzeit fühle ich mich darüber hinaus auch so, als wäre das leben nicht echt. es ist so, als hätte man mir den boden unter den füßen weg gezogen und ich muss dennoch stehen bleiben. fallen ist keine option, denn dazu wurde ich nicht geschaffen.

ich habe menschen in meinem leben, um die ich mich sorgen möchte und ich möchte niemanden im stich lassen. egal, wie schwer es ist, ich möchte weiter machen. ich halte mich fest an den menschen um mich herum und werde jede hürde überkommen, die ich meistern möchte. für sie und für mich.

Avatar von Vildan Sönmez

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